Who made your clothes?

Von der Idee bis zum fertigen Kleid

Wie entsteht eigentlich Kleidung? Welche Schritte sind erforderlich? Wie viele Arbeitsschritte braucht es?
Bis ein Kleidungsstück bereit für den Verkauf ist, stecken jede Menge Arbeit und viele Handgriffe dahinter. Ich nehm ich mit auf die Reise eines Kleidungsstücks und zeige euch die einzelnen Arbeitsschritte bis es schließlich im Shop hängt.

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Schritt 1

Idee & Entwurf

Meistens schießen mir die Ideen irgendwann in den Kopf oder auch wenn ich einen Stoff vor mir hab.
Dann wird skizziert und es werden Details aufgeschrieben, damit ich nichts vergesse und mich selbst auch auskenne.
Ab und zu gibts während des Arbeitens noch Veränderungen und manchmal passierts aber auch, dass ein Stück im Kopf und auf Papier total cool aussieht, wenn es dann aber fertig ist, der totale Schaß ist. Aber gut, das gehört schließlich auch dazu.

So, Entwurf ist fertig.

Schritt 2

Schnitt zeichnen

Nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung... Wars auch noch nie

Trotzdem: am Anfang startet man mit dem Grundschnitt. Je nach Entwurf kommen Nähte hinzu oder fallen weg, man muss Falten einzeichnen oder nicht, Tascheneingriffe beachten, Halsausschnitt anpassen, Länge und Weite ebenfalls. Das kann einige Zeit in Anspruch nehmen und oft muss man den Schnitt mehrmals in die Hand nehmen, ausschneiden, kleben, wieder ausschneiden... Und da reden wir noch gar nicht von der Finalisierung
Aber gut, wär ja fad, wenns einfach wäre, oder?

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Schritt 3

Stoffauswahl

Hier steckt jede Menge Recherchearbeit dahinter.
Ich bin immer auf der Suche nach schönen nachhaltigen Stoffen und verbringe oft Stunden damit diese zu suchen und zu finden. Erste Anlaufstellen sind natürlich meine Hauptlieferanten, denn dort find ich einfach IMMER was, auch wenn ich noch gar nicht weiß, was ich daraus mache, aber meistens kommen dann eh die Ideen, wenn ich einen Stoff vor mir habe. Manchmal hab ich auch gewisse Vorstellen, wie ein Material sein muss und welche Farbe es soll und dann heißt es suchen, Stoffproben bestellen, fündig werden, Menge kalkulieren, bestellen und warten, bis der Stoff geliefert wird

Schritt 4

Zuschnitt

Nachdem der Schnitt fertig gezeichnet und ausgeschnitten ist, gehts weiter mit dem Zuschnitt für den Prototypen. Auch hier gibts wieder einiges zu beachten: rechte und linke Stoffseite, Fadenlauf, Schnittteile so sparsam wie möglich auf dem Stoff platzieren, sonst gibts zu viel Verschnitt und dafür sind die Materialien einfach zu wertvoll.
Manche Stücke sind schnell zugeschnitten. Andere wiederum haben mehr als 2 Schnittteile. Bei dem Kleid, das ich gerade mache, gibt es 11. Da darf man bloß nichts vergessen.

 

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Schritt 5

Verarbeitung

Jetzt wird zusammengenäht.
Zuerst werden die Kanten der einzelnen Stücke versäubert. Dann wird, in diesem Fall, das Rückenteil mit der Passe zusammengenäht und die Naht abgesteppt. Danach werden die Taschen am Vorderteil links und rechts und am Rückenteil links und rechts an den Seitennähten genäht, danach die Schulternähte zusammengenäht, Ärmel links & rechts einsetzen, Seitennähte samt Ärmel schließen, zwischendurch jede Naht natürlich bügeln, Knopfleiste an den beiden Vorderteilen anbringen, das Halsloch mit einem Schrägband einfassen, den Saum bei Ärmeln & Kleidlänge nähen, Knopflöcher nähen und Knöpfe richtig anbringen, zusätzlich einen losen Gürtel nähen, bügeln, bügeln, bügeln uuuuuund FERTIG ist der Prototyp.

Schritt 6

Anpassen

Ein Zwischenschritt, der nicht immer erforderlich ist.


Wenn man glaubt, das neue Stück ist fertig, kommt man bei der Anprobe drauf, dass doch noch nicht alles so ist, wie man es will. Manchmal ists bei der Taille zu weit, das Halsloch zu eng, die Länge zu kurz. Dann beginnt man von vorne... Nein, Spaß! Dann passt man den Schnitt an.

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Schritt 7

Gradierung

Damit es ein Modell in verschiedenen Größen gibt, muss man den Schnitt gradieren. Meine Lieblingsbeschäftigung... not...
Aber was sein muss, muss sein. Darum lieb ich onesize! Erspart eine Menge Arbeit, vor allem beim Zuschnitt. Aber dazu mehr im nächsten Schritt.

Schritt 8

Zuschnitt

Wenn die Schnitte in verschiedenen Größen fertig sind, gehts ans Zuschneiden.

Damit ich den Überblick bewahre, schreibe ich mir immer auf, welche Modelle in welchen Materialien und in welchen Größen ich zuschneide. Bei neuen Modellen mach ich anfangs lieber weniger, weil ich nicht weiß, ob sie sich gut verkaufen oder nicht. Nachmachen kann man ja immer noch, wenn der Stoff noch zu genüge da ist.

Schritt 9

Lieferung in die Produktion

Montag ist bekanntlich immer mein "freier" Tag. Zumindest ist das Geschäft geschlossen.
Untätig bin ich dennoch nicht, denn
ich fahre wöchentlich in die Produktion nach Wien, bringe die Stücke hin, die ich in der Woche zuvor zugeschnitten habe, und hole Stücke ab, die bereits fertig sind.


Seit Anfang an wird meine Mode fair, sozial und lokal in der Schneiderei der Volkshilfe Wien produziert. Der Betrieb hilft langzeitarbeitslosen Frauen und Männern wieder ins Berufsleben einzusteigen.
Ich bin sehr dankbar, dass es diese Schneiderei gibt und bin stolz darauf, meine Mode in Österreich produzieren zu lassen.

Schritt 10

Abholung

So siehts aus, wenn in der Produktion Stücke fertig zum Abholen sind.

Dann wird zusammengelegt, in die Produktionsliste eingetragen, nochmal durchkontrolliert, in einen großen Sack gepackt und nach Stockerau ins Geschäft gebracht.

Mitnehmen kann ich wöchentlich nur einen, da ich kein Auto hab und mit den Öffis fahre.

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Schritt 11

Finishing

Wenn die Stücke dann im Geschäft sind, müssen sie noch gebügelt werden, die Stückzahl wird in meine Bestandsliste eingetragen, Preisschilder werden geschrieben und angehängt, schöne Kleiderbügel werden gesucht und daaaaaann?

Ja, dann ists ENDLICH fertig und ihr könnt SHOPPEN!

11 Schritte voller Kreativität, Handarbeit, Zeit, viiiiiel Liebe und Leidenschaft braucht es, bis ein Kleidungsstück bereit für den Verkauf ist.
Ihr wollt so ein Kleidungsstück haben? Dann kommt vorbei und findet euer neues Lieblingsoutfit.

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